Polizist in roter «Maschine» unterwegs

Biberist Daniel Schüpbach durfte 10 Tonnen Hilfsgüter nach Albanien liefern- dank der Sendung Freipass von Radio 32

«Ein geniales Erlebnis», blickt Daniel Schüpbach zurück. Eine Woche war er mit einem Lastwagen unterwegs, der 10 Tonnen Päckchen eines Hilfswerkes nach Albanien brachte. Das nicht ganz alltägliche Erlebnis ermöglichte ihm Radio 32.  

«Sie haben einen Wunsch?» Mehr feststellend als fragend meldete sich die Stimme des Moderators von Radio 32 bei Daniel Schüpbach. «Ich habe schon eine Menge Wünsche gehabt», antwortete dieser etwas unsicher. Der Radiomann aber überraschte den Kantonspolizisten mit der Nachricht, dass ihm eine Lastwagenfahrt ins Ausland ermöglicht werde.

Im Rahmen der Sendung «Freipass» erfüllt nämlich Radio 32 Zuhörerwünsche, die nicht einfach mit Geld zu kaufen sind. Tochter und Ehefrau Schüpbach meldeten dem Radio heimlich den immer wieder geäusserten Wunsch ihres «Oberhauptes». Die einstmals berufsmässig durchgeführten Lastwagenkontrollen auf der Autobahn legten bei Polizist Schüpbach den Grundstein für die Faszination für diese Fahrzeuge.

Übernachten auf dem Rastplatz

An einem Dezembermorgen erfüllte sich der Wunsch von Daniel Schüpbach. Er bestieg, mit Fahrerausweis ausgestattet, den knallroten Mercedes-Truck der Transportfirma Schöni aus Wynau Richtung Süden. «Chauffeur Stefan Schmid, stets mit Kombianzug und Melone bekleidet, war ein flotter Typ», erzählt er. Er nenne sich «Truckosoph» und lebe das Lastwagenfahren. «Seine Begeisterung war ansteckend», schildert Schüpbach.

Am Zoll in Stabio wurde die zehntonnenschwere Weihnachtsfracht des Hilfswerks «Swiss Fondation International» plombiert und der Fahrt durch Italien stand nichts mehr im Wege. Einige ungewollte, rasante Schläge machte ab diesem Zeitpunkt das Herz des Truckerfans. Schüpbach setzte sich nämlich selber ans Steuer. «Eine absolute Supermaschine», erzählt er mit totaler Begeisterung. «Geschlafen habe ich auch nicht schlecht.» Die Kabinen seien mit Standheizung, Kühlschrank, Innen- und Nachtbeleuchtung beinahe komfortabel ausgestattet.

Gegessen hätten sie wunderbar in nahegelegenen Restaurants. In Bari benutzten die beiden Chauffeure den halben Tag Aufenthalt für eine Stadtbesichtigung. Zehn Stunden dauerte danach die Überfahrt auf der Fähre ins albanische Durrës. Vor der Weiterfahrt auf verlöcherten Strassen an den Bestimmungsort Tirana hatten die beiden Männer das totale Chaos am Zoll zu überstehen. An diesem Montag war in Albanien ein Feiertag, gearbeitet wurde nicht. Gelegenheit also, bei herrlichem Wetter die Badestrände sowie das Kinderheim und das Spital des Hilfswerks zu besichtigen.

Nord-Süd-Achse gesperrt

Am Dienstagabend ging es dann mit der Fähre nach Bari zurück. In Ancona wurde der leere Lastwagen mit Stühlen und Tischen eines Restaurantinventars beladen und auch gleich dort auf der Raststätte übernachtet. Anderntags, nach Ankunft im Feierabendverkehr in Stabio, mussten die Chauffeure erfahren, dass die Nord-Süd-Achse wegen der Schneemengen geschlossen war.

Mit Kurswechsel durchs Aostatal und den Mont-Blanc-Tunnel fuhren sie in Richtung Genf. Eine Polizeikontrolle, inklusive Überprüfung im Fahndungscomputer blieb dem Kantonspolizisten nicht erspart. Langwierig erwiesen sich die Zollabfertigung in Genf und das anschliessende Abladen der Fracht. Mit anderthalb Tagen Verspätung erreichte Daniel Schüpbach Biberist. Noch rechtzeitig, um als Handharmonika-Club-Präsident am Jahresschlusshöck mit seinen Mitgliedern zu nächtlicher Stunde anzustossen. 

Agnes Portmann-Leupi