Unterwegs mit einer Melone und 40-Tonnen

unter der Regie von Stefan Schmid    
    

Wir alle kennen sie ja, diese „Ungetüme“, und die meisten von uns sind froh, wenn sie an einem vorbei sind.

Aber haben Sie sich auch schon gefragt wie das wohl ist, in so einem Trucker während Tagen und Wochen unterwegs zu sein ?  

Mich interessierte dies ebenfalls und so nutzte ich die Gelegenheit dies alles einmal selber zu erleben. Während 4 Tagen und drei Nächten war ich mit Stefan Schmid unterwegs.

Eines Morgens im August sass ich dann voller Neugier im Fahrzeug von Stefan Schmid. Einer Zugmaschine mit Aufleger, umgeben von moderner Technik , in einem bequemen Sitz hoch über der Strasse . 40 Tonnen kann dieses Kraftpaket problemlos auf Autobahnen und Landstrassen, Bergauf und Bergab bewegen.

Als dann der Motor gestartet wurde und sich das „Ungetüm“ sanft in Bewegung setzte, sich elegant um die ersten Kreisel schlängelte, da tat sich eine andere Welt vor mir auf.
Keine Spur von Hektik, nein eine wohltuende Ruhe breitet sich aus, Ich bekam ein Gefühl von Souveränität und Sicherheit. Mit einem „Ungetüm“ hatte das gar nichts mehr zu tun.

Natürlich lag das primär am Können von Stefan. Es ist schon beeindruckend wie so ein Profi mit diesen Kräften und der Technik umgeht. Die Ruhe mit der Verkehrssituationen begegnet werden, waren für mich Lehrstunden. Und das Besondere bei Stefan: Er macht das alles mit Stil, d.h. mit Melone, weissen Handschuhen und weissem Halstuch !!! 

Egal ob Tonnen von Stahlrohren geladen werden, was bei Stefan gewechselt wird, sind nur seine Handschuhe. Die Melone sitzt immer wie festgeschraubt genau da wo sie hingehört.
Das weisse Halstuch benutzt er zum abwischen des Schweisses und der rinnt manchmal ganz
Schön von der Stirn, wenn entladen und beladen wird, und das passiert oft mehrmals pro Tag.

Nachdem einige Transporte in der Region ausgeführt waren, ging es gegen Abend dann los Richtung Norddeutschland.

Haren im Emsland war das erste Ziel welches wir am nächsten Tag erreichen sollten. Jede Fahrt wird von Stefan mit dem Routenplaner auf seinem Laptop genau berechnet, denn die Vorschriften über Fahrzeit, Ruhezeit und Gesamtarbeitszeit sind natürlich strikte einzuhalten. Ein Bord-Computer verwaltet die Fahrzeiten, teilt dem Fahrer genau mit wie lange er noch fahren darf, wann Pause gemacht werden muss, und wann das Tageslimit erreicht ist. Dann heisst es die nächste Raststätte ansteuern und hoffen, dass es noch Platz hat zum übernachten.

Beim zweiten Versuch klappte dies an diesem Abend.. Meine erste Nacht in einer Führerkabine stand bevor.
Nachtessen Duschen und dann ging es ab in „die Koie“, ganz oben in der Kabine.
Ehrlich gesagt, ich habe schon besser geschlafen. Das Bett war zwar sehr gut, aber wenige Meter neben der Autobahn zu schlafen ist mit einer Dauerberieselung von Autolärm verbunden und für normale „ Murmeltiere“ gewöhnungsbedürftig.
Für Stefan hingegen ist das genau die Melodie die er braucht, um nach zwei Minuten in Tiefschlaf zu versinken. Uebrigens, der Ordnung halber muss das gesagt sein: schlafen tut der Stefan ohne Melone, Halstuch und Handschuhe.

Aber trotz allem, ich fühlte mich am nächsten morgen ganz gut,
und nach dem Frühstück war ich gespannt, was mich heute alles erwartet.

Zur vorgesehenen Zeit erreichten wir unser Ziel in Haren. Die Stahlrohre wurden entladen, danach wurde Kontakt mit dem Disponenten zu Hause aufgenommen um neue Aufträge entgegenzunehmen.
Kevelaar an der holländischen Grenze hiess unser nächstes Ziel. Im kleinen Hafen von Wesel, einem historischen, hübschen Ort auf dem Weg nach Kevelaar, verbrachten wir die zweite Nacht im Fahrzeug., an einem  ruhigen Platz. Und da konnte ich erfahren wie gut man in dieser Kabine schlafen kann. Vielleicht lag es auch an der gemütlichen Runde in einem gemütlichen Gartenrestaurant auf dem gemütlichen Marktplatz mit sehr gemütlichen, netten Einheimischen.

Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter nach unserem Ziel. Vorbei an idyllischen Ortschaften mit Reetdach-Häusern, Windmühlen, entlang an einem Fluss mit Familienboten.

In Industriequartier von Kevelaar mussten zwei Odtimer-Traktoren  welche für die Schweiz bestimmt waren, abgeholt werden. Danach wieder Kontaktaufnahme mit dem Disponenten der genau wusste wie viel Ladekapazität noch zur Verfügung stand.
 
Es ging Richtung Süden nach Ramsbach –Baumbach. 13 Ballet vollbeladen mit Blumentöpfen wollten in die Schweiz. Die passen nie alle da hinein dachte ich mir mit Blick in den Laderaum. Sie passten, aber kein Topf mehr hätte gepasst. Da sind Könner am Werk. Zu Hause im Betrieb, und genauso Unterwegs.

Nun konnte nichts mehr geladen werden, deshalb hiess das nächste Ziel Zoll Rheinfelden. Vorher aber wartete noch eine Nacht unterwegs auf uns. Das hiess auch Autobahnraststätte mit dem speziellen Sound. Dafür mit Dusche. Stefan nach 2 Minuten im Tiefschlaf, und ich hätte am liebsten die Autobahn sperren lassen. So war ich am nächsten morgen gezwungen ein Zusatzportion Schlaf zu konsumieren,

Am Zoll in Rheinfelden sah ich dann wie viele LKW’s das gleiche Ziel hatten. Da wird einem bewusst welche Mengen von Waren auf der Strasse transportiert werden. Wenn das in Rheinfelden schon so viele sind. Gut das wir schon um 03.00 Uhr Tagwache gemacht haben sagt Stefan , später sieht es da noch ganz anders aus!!. Und eine Geduld haben die Leute.

Was sagt da Stefan : „Warum sich über etwas aufregen, was man sowieso nicht ändern kann“. 
Recht hat er, aber bis man soweit ist --- .

Wir haben in den 4 Tagen  erzählt, diskutiert, gelacht, zugehört, gestaunt, geschmunzelt und geschwiegen.
Es war eine Reise der besonderen Art. Ein Erlebnis. Der Blick in diese Welt  war so interessant, dass ich allen die dies auch interessiert empfehle, doch Stefan Schmid mal zu kontaktieren.