Viert Tage mit dem Mercedes XXX

und

Radio Vatikan unterwegs…..

 

Ich erhielt durch Stefan Schmid, Überlandchauffeur der Schöni AG, die Gelegenheit vom 26. April bis am 29. April auf den Strassen der Schweiz uznd von Italien mit in die Welt des Lastwagenchauffeurs eintauchen. Die Welt der Lastwagenfahrer kannte ich nur vom hören und vom vorbeifahren. Also war ich gespannt was mich erwartet. Im Vorfeld beschäftigten mich organisatorische Fragen: „Wo schlafen wir?“, „Muss ich einen Schlafsack mitnehmen?“, „Wohin geht es?“, „Wie essen wir?“, „Wo duschen wir?“, „Welche Kleider braucht es?“.  Stefan konnte mich beruhigen mit einer einfachen Antwort: „Nimm mit was du willst, deine drei Lieblings- CDs und Lass dich überraschen“. Also beschränkte ich mich auf das Nötigste. Pünktlich kurz vor 05.00 Uhr stand ich am Montagmorgen mit meinem kleinen Rollkoffer vor Steffans Mercedes in Wynau. Entgegen meiner Vorstellung, war es still auf dem Areal. Stefan empfing mich und erklärte mit seiner Routine mein zuhause auf über zwei Meter Höhe für die nächsten vier Tage. Die ersten Eindrücke waren imposant. In der Kabine fand ich fast alles vor: Kühlschrank, zwei Betten, Schubladen, Stauraum, bequeme Sitze…, einzig die Dusche fehlte. Alle meine Fragen im Vorfeld wurden in diesen ersten Minuten geklärt. Ich freute mich riesig auf die kommenden Reise ins „Ungewisse“. Punkt fünf ging es los mit einer Ladung Zeitungspapier Richtung Mailand. Mit achtzig Stundenkilometern tuckerten wir gemütlich durch die Schweiz Richtung Süden. Ich vermisste den vielbeschriebenen und gehörten Stress des Lastwagenfahrers. Unser erster Halt war vor dem Gotthart in Amsteg. Wir fuhren eine Ehrerunde in die ?? Stelle, mit ungewisser Zeitangabe. Wie ich erfuhr, kann diese sehr lange dauern. Stefan nahm dies gelassen. Mich hingegen stresste dies schon. Ich werde dies in den nächsten Tagen noch einige male erleben, wie gemütlich es die verschiedenen Büros und Amtsstellen mit ihrer Arbeit nehmen. Wir wurden sofort wieder auf die Autobahn gelassen und konnten ohne Unterbruch weiterfahren. Super, dachte ich, so sind wir schneller in Mailand und haben eine höhere Rendite. Weiter fuhren wir Richtung Süden. Nach dem ich meine ersten Eindrücke verarbeitete, erkundigte ich mich bei Stefan über den vermissten Stress und dem Ausgeliefert sein an der ?? Stelle in Amsteg. Viele weitere Fragen interessierten mich über den Beruf des Lastwagenfahrers. Für mich war dies der Rote Faden während der nächsten Tage. Im Weiteren unterhielten wir uns über verschiedene andere Themen, wir schwiegen auch viel, hörten Musik oder erzählten aus unserm Leben. Der Humor begleitete uns auch immer wieder.

Vor Chiasso bogen wir in Richtung Zoll von Stabio ab. Da die Schöni AG den grössten Teil seiner Zollformalitäten dort abwickle. Vor uns standen mehrere Holztransporter? Wie ich erfahre, importiert Italien viel Holz von der Schweiz, da sie selber seit den Römern kein es mehr haben. Genial?!?

Am Zoll von Stabio wartete ich zum ersten Mal, in diesem vier Tagen. Es ging über einen Stunde bis die Zollpapiere wieder in den Händen von Stefan waren. Nach einem Spermuto (Orangensaft) ging es im monotonen Tempo weiter. Die Zeitungsfabrik erwartete uns. Diesen Streckenabschnitt kannte ich von den Ferien. Nun durfte ich die Landschaft als Beifahrer und aus fast 3 Metern Höhe geniessen. Es war eindrücklich. Vor Mailand sah ich dann auch die Zeltlager (Slums). Mich erinnerte die an die Slums, welche ich vor über 20 Jahren in Südamerika gesehen habe. Dies nur knapp 40 Kilometer südlich von Chiasso….

In der Papierfabrik in Mailand wurden wir nicht erwartet. Wir mussten jemanden in den grossen leeren Hallen suchen. Schlussendlich wurde abgeladen. Der Disponent in Stabio erteilte uns zwei neue Ladeaufträge. Wir mussten nach?? 24 Tonnen Stahl laden und in ? 2 Tonnen für den Import in die Schweiz. Dies werden in Stabio auf die Eisenbahn verladen. Voller Elan ging es Richtung Norditalien. Die Landschaft war eindrücklich. Wir erreichten das grosse Stahlwerk auf Anhieb. Nach einer speditiven Anmeldung passierte hier, trotz einigen Nachfragen für über eine Stunde nichts mehr. Ich fragte mich, wer dieses Warten bezahlt? Müsste ein Computerfachmann so lange warten….  Pressant hatten sie es beim Beladen nicht. Im Weiteren fiel mir in der Halle ein grosses Portrait von Mussolini auf. Darunter standen auf einem Kalender seine Greueltaten. Schrecklich, dachte ich, der ist hier Salonfähig…

Bei der nächsten Stahlfabrik wurden wir kundenfreundlich und professionell empfangen. Rasch wurden wir beladen. So ging es am Abend wieder zurück in die Schweiz.

Die Zollbeamten in Chiasso nahmen den Stress der Chauffeure vor ihren Schaltern nicht zur Kenntnis. Wir schafften den Postenlauf mit den verschiedenen Formularen mit Gelassenheit und guten Schuhen. Ich fragte mich: „Wer verarbeitet diese Papier alle?“ In Stabio angekommen verluden wir den Stahl auf den Zug. Am anderen Morgen wird der Kunde das Produkt in Empfang nehmen.

Im Büro der Schöni AG erteilte uns der Disponenten den neuen Auftrag. Von Stabio aus transportierten wir einen Anhänger mit Altkleidern in die Region Neapel. Ich freute mich auf diese Fahrt. Der Disponent bereitete schon alles super vor. Da wir am Abend über die Grenze Richtung Rom wollten, legte uns die ?????? die vorgemachten Dokumente in den Briefkasten beim Zoll in Chiasso. So stellte ich die Dienstleistung am Chauffeur und einen genialen Ablauf eines Transportes vor. Die Freude und Annerkennung kam zu früh. In Chiasso fanden wir einen leeren Briefkasten vor. Das Büro war auch schon geschlossen. Der Disponent war sprachlos und wir hässig… Was nützt dies jedoch nichts. So ging es halt morgen um halb acht wieder auf diesem Büro los. Ich fragte mich ein weiteres Mal. „Was muss sich ein Cahuffeur alles gefallen lassen?“

So genossen wir den Montagabend ungeduscht auf dem Zollhof von Chiasso. In einer kleinen Pizzeria verschlangen wir mit einem anderen Chauffeur eine feine Pizza. Danach übernachteten wir auf dem Parkplatz.

Viele Eindrücke und Fragen durfte ich von diesem ersten Tag mit in den Schlaf nehmen.

Um 5.00 war Tagwacht. Reger Betreib nahm ich war. Die ersten Lastwagen überquerten die Grenze Richtung Italien. Leider begann unser Arbeitstag erst um halb acht. So erkundigten wir Chiasso. Das erste Cafe öffnete erst um sechs Uhr. Wir genossen das frische Gipfeli und die stillen Strassen. Pünktlich bei Büroöffnung standen wir motiviert vor der Theke. Auf der anderen Seite nahmen wir eine abgelöschte Arbeitsstimmung wahr. Auf unserer Fragen reagierte er nicht gross. Er verwies auf seine abwesende Kollegin. Um viertel vor acht schlarpte diese mit einer sauren Mine hinein. Die Schlange vor der Theke wurde immer wie länger. Dies beeindruckte die Sachbearbeitende nicht. Sie lies sich Zeit und trank einen Kaffee. Das Koffein erzielte bei ihr keine Wirkung. Oder war es koffeinfreier? Passiv und Lustlos setzte sie sich mit dem Mantel hin. Mit grosser Anstrengung klammerte sie sich am Bürotisch fest. Schnauzig reagierte sie auf unsere Fragen und Kritik. Auch ein Anruf des Disponenten blieb wirkungslos. Es gehe noch einige Minuten bis sie alle Papiere von unserem Disponenten erhalten werde. Um 9.00 Uhr am Morgen erhielten wir das letzte Papier für den Zoll. Nun begann Steffans Arbeitstag endlich. Oder? Nein die Zollabfertigung in Chiasso musste noch erledigt werden. Die Verzollung erledigten wir in Prato, nähe Florenz. Fast hätten wir dem Zoll in Chiasso abgeschlossen, realisierte ein Zöllner einen wichtigen Aspekt bei Kleiderimporten. Gebrauchte Kleider müssen chemisch gereinigt sein, sonst dürfen diese nicht nach Italien eingeführt werden.“. Mit einem Stempel wurde dies bestätigt. „Ha, ha, ha, oder ist dies nicht sehr zum Nachdenken…?“ Nun stiegen wir in den LKW und Steffans Arbeit begann. Ich fragte mich: „ Ist diese Wartezeit nicht auch Arbeitszeit?“

Mit einigen Sekunden Verspätung auf den Zeitplan rollten wir Richtung Mailand, Bolagna und Florenz. Das gesehene war imposant und genial. Die Gespräche vielseitig und amüsant. Wir durften viel voneinander erfahren.

Gegen halb zwei Uhr kamen wir in Prato an. Im Verzollungsbüro begrüsste uns lachend und motiviert der Geschäftsbesitzer. Dies war der erste und leider auch letzte Arbeitende in diesen vier Tagen, welche ich motiviert an seinem Arbeitsplatz erleben durfte. Trotz seines Einsatzes, mussten wir auf den Veterinär warten, welcher unsere Altkleider überprüfte, warten. Er beendete zuerst seine Siesta. Um drei ging es weiter. Nach gut einer Stunde erhielten wir die Bestätigung für die Kleider. Besichtigt wurde der Lastwagen und die Ladung nicht Nun konnten wir mit gutem Gewissen unsere Fracht nach Neapel transportieren. Aus der Ferne erkannte ich den Dom von Florenz. Gigantisch stach er über alle anderen Häuser hinaus. Die Toscana - Autobahn wurde geziert von schönen grossen Herrenhäusern. Diese Aussicht faszinierte mich. Als PW Fahrer entgeht dir vieles.

Aufgrund der vielen Warterei, schafften wir unser Ziel nicht, am Abend in Neapel zu sein.

Gegen 22.00 Uhr hielten wir auf einer Autobahnraststätte. Wir übernachteten dort. Der Parkplatz war überfüllt mit LKW’s aus ganz Europa. Jedoch erblickte ich keinen einzigen Chauffeur. Wir genossen das Essen im leeren Restaurant. Schnell schlief ich danach ein. Auch der zweite Tag war eindrücklich, trotz des vielen Wartens.  

Früh ging es am dritten Tag auf der Autobahn Richtung der ewigen Stadt Rom entgegen. Leider umfuhren wir diese kurz vor Sonnenaufgang. Den Anblick des Himmels, der Landschaft und der Dörfer parallel an der „Strada del Sol“ faszinierte mich. Neapel kam immer näher. Nach Monte Casino tuckerten wir noch ca eine Stunde südwärts. In meinem Kopf stellte ich mir schon die Bilder dieser Region vor, Das Buch Camorra und die Bilder der Abfallberge lassen grüssen. Wir verliessen die Autobahn. Saubere Strassen und geordneter Verkehr empfingen uns. Steffan war auch erstaunt über die fehlenden Abfallberge. Bei seiner letzten Fahrt habe es hier gestunken und die meterhohen Abfallberge säumten die Strassen bis ins Hinterland. Nun hätten sie die weggeräumt. Kurz vor acht Uhr fuhren wir das schöne Tal hinauf zur Kleiderfabrik. Mit meinen Vorstellungen (Schlechte Arbeitsbedingungen, dunkle Räume, alles Frauen zu Niedriglöhnen usw.) erblickten wir in einem schönen Hein, ein Areal von ca. 8 modernen Fabrikhallen. Auf dem Parkplatz standen neuere Autos. Der junior Chef, ganz in Machogehabe, empfing uns und wies uns den Parkplatz zu. Sofort fuhr ein Stapler vor und der LKW wurde entladen. In dieser  Zeit besichtigten wir die Halle. Zu meinem Erstaunen waren unter den ca. 30 Mitarbeitenden nur fünf Frauen. Fast alles waren junge Männer, welche die Altkleider sortierten. Anhand der Schweizer Kleidersäcke war das Ursprungsland der meisten Kleider klar. Vor der Halle stand sogar ein SBB Wagon. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf….

Während des Abladens erhielten wir vom Disponenten den neuen Auftrag mit den genauen Daten. Wir mussten Gelati laden ca. 60 Kilometer nördlich. So verliessen wir nach knapp drei Stunden die Region Neapel wieder. Um elf checkten wir in der Gelatifirma ein. D. h. wir wurden wahrgenommen und zur Spedition weiter gewiesen. Dort vertrösteten sie uns mit drei Stunden warten, bis wir laden konnten. Also hielten wir bei fast 35° eine Siesta, auf Feizeit- und Erholungskosten. In der klimatisierten Kabine nickten wir nach einem Mittagessen in einer Kantine à la „-10 Sterne“ für einige Stunden ein. Um viertel vor vier teilten wie uns wir eine Verladerampe zu. Nach dreiviertel Stunden war unser Kühlauflader geladen. Wir holten den Transportschein und führen los. Nach erneuter Rückfrage beim Disponenten erfuhren wir, dass wir anstatt im Norden Italiens, jetzt direkt neben der Gelatifabrik verzollen müssen. So kehrten wir um. Leider schloss das Zollbüro fünf Minuten vor unserer Ankunft! Genial, so warten wir draussen in der Pampa dem 40 Tönner und x Kisten Gelati. Wir entschieden uns zur Gelatifabrik zurückzufahren und nachzufragen, ob wir den Aufleger bis am Abend bei ihnen hinstellen könnten. Widerwillig durften wir den Truck vor dem Areal hinstellen. Danach kurvten wir mit dem Zugsfahrzeug in den Ausgang. Im schönen Städtchen ??. besichtigten wir die Häuser. Danach kauften wir im Supermercado unser delikates Nachtessen. Dies genossen wir unter dem Sternenhimmel mitten im „Nirgendwo“. So beendeten wir diesen Tag. Auch am dritten Tag begeleiteten mich die verschiedenen Eindrücke vom Fahren, den ausgetauschten Gedanken und dem Warten. Mit dem Kühlaggregat im Rücken und dem Wissen, dass das Zollbüro erst um 08.30 seine Türe öffnet schlief ich ein. Gespannt war ich was mich am letzten Tag erwartet.

Ausgeschlafen und französisch geduscht, standen wir überpünktlich vor dem Zoll. Der Erfolg dieser Aktion war minim. Einige Minuten früher nahmen sie unsere Papiere entgegen. Dann war eine Stunde Warten angesagt. Nach halb zehn verliessen wir Südlazio Richtung Norden. Gemütlich und bei super Wetter philosophierten, schwiegen oder hörten wir Musik. Im klimatisierten Truck und beim immer selben Tempo, Kilometer für Kilometer. Zu Abwechslung genossen wir, wie bei der Hinfahrt Radio Vatikan…. Entlang der schönen Landschaften, der eindrücklichen Hochgeschwindigkeitsbahnlinie Neapel –Mailand und den eindrücklichen Dörfer vergingen die Stunden im Nu. In einem Truckrestaurant abseits der Autobahn speiste ich zum letzten Mal italienisch. Stunde für Stunde kamen wir der Schweiz näher. Wie wir ausrechnen konnten wurde es sehr knapp mit dem Erreichen des Zolls vor Ende der Bürozeiten. Wie schon des Öfteren in diesen Tagen verpassten wir dies um wenige Minuten. So musste Stefan auf der Italienischen Seite übernachten und es wurde nichts mit dem Ausladen in Nebikon. Schade, so wurden meine vier Tage am Zoll in Chiasso abrupt beendend. Ich eilte von Zoll mit meinem Rollkoffer auf den Bahnhof. 

Diese vier Tage hinterliessen bei mir u.a. folgendes:

Ich erlebte die Welt aus ca. 3 Meter. Dies war von der ersten bis zur letzten Minute eindrücklich. Das kontinuierliche, gelassene Tempo, wie wir durch diese hektische Zeit gefahren sind, hatte etwas meditatives und faszinierendes an sich.  

Die Arbeitsbedingungen der Chauffeure, warten, auf Zeitfahren, Ruhezeiten usw. liessen mich verschiedene Szenarien durch den Kopf gehen. Was ich von allen  Beteiligten vermisste, war die Wertschätzung gegenüber dieser Arbeit.  Hier wäre grosser Handlungsbedarf. 

Für mich wurde der Stress der Chauffeure nach diese Zeit nicht nachvollziehbar. Was mich stresste, jedoch auch nicht geändert werden kann, war das Warten. Für mich erhielt die Aussage eines Industriellen aus meiner Region eine relativierten Inhalt. Er ist überzeugt, dass unter anderem eine neue Strasse von Langenthal nach Niederbipp, Zeiteinsparnis ca. 3 Minuten, martwirtschaflich relevant sei…. Hauptsache mann glaubt daran. 

Zum Schluss bedanke ich mich bei Stefan und der Firma Schöni AG für diesen Seitenwechsel, welcher mir die beschriebenen Eindrücke und noch viel mehr ermöglichte. Es war genial und Merci vöu mou Steffan, bes es angers mou! 

…. Ach fast hätte ich es vergessen. Der Zug in Chiasso traf mit einige Minuten Verspätung ein. Leider verpasste ich dadurch die Anschlusszüge. Ich hatte die Gelegenheit an verschieden Bahnhöfen zu Warten. Mit zwei Stunden Verzug kam ich um halb zwei nach Hause. Was sind schon zwei Stunden in meiner Freizeit…. 

Daniel Gnägi,